Die Entstehung der "Soziale Offensive im Kinder- und Jugendsport"

"Kinder und Jugendliche sind in sozialen Brennpunkten stärkeren und vielfältigeren Gefährdungen und Benachteiligungen ausgesetzt, als in anderen Sozialräumen. Es ist die Aufgabe der Politik, insbesondere der Jugendpolitik, auf allen Ebenen, gerade in solchen Sozialräumen, Strategien für Entwicklung und Chancen junger Menschen zu entwickeln und umzusetzen".

Mit dieser Begründung hatte das BMFSFJ das neue E&C-Programm entwickelt und am 13.09.1999 gegenüber den bundeszentralen Dachorganisationen der Jugend- und Sozialarbeit, einschl. der Deutschen Sportjugend, in Bonn vorgestellt und zur Mitwirkung bei der Umsetzung dieses Programms der Bundesregierung aufgefordert.

Innerhalb von nur gut zwei Monaten ist es der Deutschen Sportjugend gelungen vom 24.-26.11.1999 in Berlin ein mit ca. 120 Personen außerordentlich gut besuchtes Fachforum zu diesem Thema durchzuführen, was einerseits für das hohe fachliche Interesse spricht an dem für den Jugendbereich im Sport wichtigen Thema. Es spricht aber auch sicherlich für die Leistungsfähigkeit und Bereitschaft der Deutschen Sportjugend, sich derartigen innovativen Aufgaben zu stellen und sie in Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedsorganisationen einer Lösung zuzuführen.

Bereits 1972 veröffentlichte der Deutsche Sportbund bei seinem Bundestag seine Stellungnahme Sport für alle. Darin wird der Sport für die Randgruppen der Gesellschaft als ein gesellschaftliches Problem und eine sozial-ethische Aufgabe bezeichnet. Denn dort heißt es weiter: „Die soziale Bedeutung des Sports wird in Zukunft daran gemessen, in wie weit es ihm gelingt, sportliche Maßnahmen für diese Menschen einzuleiten und verwirklichen zu helfen".

Das Kürzel E&C wurde hier nicht als Einmalige Chance zur vom BMFSFJ gut geförderten verbandlichen Selbstdarstellung genutzt und dann vergessen. E&C hat bei der Deutschen Sportjugend zunächst dazu beigetragen, dass 1998 von der Vollversammlung verabschiedete Begründungs- und Orientierungskonzept zur Notwendigkeit der Fortentwicklung der sozialen Offensive im Kinder-und Jugendsport bis in die Vereine hinein bekannt zu machen und teilweise umzusetzen.

So entstand zeitnah nach der offiziellen Vorstellung des E&C-Programms des BMFSFJ das Projekt "Soziale Offensive im Kinder- und Jugendsport", das vom Institut für Sportsoziologie an der Deutschen Sporthochschule in Köln DSHS wissenschaftlich begleitet wurde.

Die Basis der Kinder- und Jugendarbeit im Sport sind die über 89.000 Vereine und die in diesen existierenden Jugendabteilungen. Obwohl in den Vereinen die Sportangebote im Mittelpunkt stehen, kommt wohl kein Verein ohne die sogenannten überfachlichen Angebote aus. Darunter werden kulturelle, soziale und internationale Aktivitäten verstanden. Viele Vereine bieten allein oder auch in Kooperation mit ihren Stadt-, Kreis-, Bezirks- oder Landessportbünden Kinder- und Jugendfreizeiten bzw. Ferienmaßnahmen an.

Für Sportvereine, die innerhalb sozialer Brennpunkte liegen oder an sie direkt angrenzen, gehört die Entwicklung von entsprechenden Integrationskonzepten für Kinder und Jugendliche zum Existenzkampf. Diese Feststellung wird durch die Untersuchung Rittner/Breuer zur „Sozialen Bedeutung und Gemeinwohlorientierung des Sports" im Auftrage des Bundesinstituts für Sportwissenschaft aus dem Jahre 1998 belegt.

Außer von Sportvereinen und Sportverbänden werden derartige Angebote vielfach von Sportjugendorganisationen auf der Ebene der Länder unterbreitet, die, z. B. bei der Sportjugend Nordrhein-Westfalen, mit ihren Untergliederungen auf der Stadt- oder Kreissportbundebene kooperieren und sowohl mit staatlichen Behörden, wie auch Schulen, Kindergärten, Kulturvereinen oder Migrantenvereinigungen etc. vernetzt sind. Zu den weiteren Dienstleistern des Sports in diesem Bereich gehören die vom Deutschen Sportbund in Frankfurt koordinierten Integrationsprojekte, die aus dem früheren Programm Sport für Aussiedler hervorgegangen sind.

Auch in Berlin z. B. hat sich unter dem Dach der Sportjugend Berlin der „Verein für Sport und Jugendsozialarbeit e.V." (VSJ) bereits 1994 gegründet und seit 1996 die Trägerschaft über eine Vielzahl von erfolgreichen Jugendprojekten übernommen. Zu diesen Projekten zählten insgesamt 10 SportjugendClubs, drei Mobile Teams, drei Mädchen-Sportzentren und das Projekt „Kick".

Die von der dsj in Auftrag gegebene und von Prof. Dr. Christoph Breuer vom Institut für Sportsoziologie an der Deutschen Sporthochschule in Köln DSHS 2002 abgeschlossenen und dokumentierten Untersuchung Das System der sozialen Arbeit im organisierten Sport (Verlag SPORT und BUCH Strauß 2002) ist Gegenstand des weiteren Handelns der Deutschen Sportjugend und der Mitgliedsorganisationen.

Selbst wenn die darin wissenschaftlich dokumentierten 918 Sozialen Initiativen im Jugendsport nur ein Teil der Wirklichkeit darstellen, so sagen sie doch etwas über die soziale Bedeutung des Sports aus. Sie sagen etwas darüber aus, dass der Sport die Orientierungs- und Perspektivlosigkeit der besonders in den sozialen Brennpunkten lebenden und aufwachsenden Kindern und Jugendlichen erkennt und seine daraus resultierende soziale Verantwortung zur bedürfnisorientierten Hilfe verstanden hat.

Innerhalb dieser Internetplattform finden Sie in der Projektdatenbank alle ca. 900 Sozialen Projekte dokumentier. Weiterhin finden Sie eine Dokumentation der Qualifizierungsreihe "Weiterbildung von MitarbeiterInnen in Sozialen Initiativen im Kinder- und Jugendsport", die in den Jahren 2003/2004 als Antwort auf die Handlungsempfehlungen der Untersuchung von Prof. Dr. Breuer modellhaft durchgeführt wurde.